„In ihren Fotos bemerkt man nicht selten ihre berufliche Herkunft vom Theater. Nancy Fischer inszeniert ihre Fotos zu Szenen in Hinterzimmern, auf Dächern…an Orten, die man nicht im Alltag aufsucht. In diesen nicht alltäglichen Umgebungen lichtet sie ihre Modelle ab, die in ihrem Äußeren wie aus der Zeit gefallen zu scheinen. Ihre mal bizarr wirkenden, mal überbetont gekleidet und geschminkten Modelle sind fokussiert in Paarkonstellation oder auch einzeln zu sehen und unterstützen den Eindruck eines sorgsam vorbereiteten Zusammenwirkens von Umgebung, Modell(en) und dem Betrachter. Es gibt keine Massenszenen, keine Szenen in schmutziger Umgebung..aber auch keine frohe Farbigkeit. Ihre Fotos beherrschen eher weiche Konturen und Foto-Primärfarben, fast wirken sie manchmal wie frühe Nachcolorierungen in Grün-, Altrot-,Rosa- und Grautönen. All diese Kontrastierungen zum Alltag lassen den Betrachter sehr viel besser das wahrnehmen, was scheinbar zeitlos ist und ohne diese Inszenierung kaum wahrgenommen würde. Es sind existenzielle Regungen und Bedürfnisse des Menschen und dabei zielt Nancy Fischer nicht primär auf die uns angenehmen Seiten. Innere Immigration, exzessive Eifersucht, Macht- und Besitzanspruch auf andere Menschen – hinter der Maske der Paarbeziehung, Selbstüberhöhung, Ausweglosigkeit zu Handlungsalternativen…und die Sprachlosigkeit dazwischen.. Die Kamera fokussiert nicht nur die Modelle sondern sucht die Sichtbarmachung der Regungen, Motive des „jetzt So Seins“. In diesem Abseits des uns vertrauten Alltages gelingt es Nancy Fischer das „Abseits“ menschlicher Regungen sichtbar zu machen….den Anteil, den wir selten in der Öffentlichkeit zulassen, doch den wir kennen. Die hohe Sensibilität, die Intensität der Sprachlosigkeit, die Verzweiflung und Ausweglosigkeit zu Handlungsalternativen, die aus einigen ihrer Szenen zu uns Betrachtern dringen bieten ihrerseits einen Dialog an.
Nancy Fischer spürte schon in frühester Jugend die Anziehung der Theaterbühne auf sich wirken. Noch während der Schulzeit wurde sie als begabte junge Frau in der Vorbereitung auf ein Schauspielstudium gefördert. Als ungewöhnlich junge Bewerberin wurde sie mit 19 Jahren an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig aufgenommen. Nach dem deutschen Diplom (Higher Degree of art ) in Schauspielkunst war sie an verschiedenen Bühnen in Deutschland und Österreich engagiert. Mehrmals vertraute man ihr schon in jungen Jahren auch bedeutende Hauptrollen an.
Seit mehreren Jahren sucht Nancy Fischer die „Sichtbarmachung des Unsichtbaren“ in und zwischen Menschen in der Fotografie.“
Ingo Bürger, Kalligraph und Autor
(Bild: Bernd Hentschel)
